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KI Kritik. Mehr nicht.

  • 14. Aug.
  • 4 Min. Lesezeit

Künstliche Intelligenz gehört sicherlich zu den bedeutendsten technologischen Entwicklungen unserer Zeit. Sie kann Arbeitsprozesse beschleunigen, Forschung unterstützen und lästige Verwaltungsaufgaben übernehmen, an denen der menschliche Geist verzweifelt. Das Problem beginnt dort, wo ihr Einsatz zur Selbstverständlichkeit wird und ohne Sinn und Verstand stattfindet.

KI benötigt enorme Rechenleistung, große Mengen Energie und Ressourcen – und das in einer Welt, die ohnehin durch Spannungen und Klimawandel kleiner wird und vor großen Herausforderungen steht. Während wir vor der Aufgabe stehen, unseren Ressourcenverbrauch drastisch zu reduzieren, scheinen die großen Tech-Bros genau das Gegenteil zu propagieren. Aus dem Silicon Valley werden immer wieder Stimmen laut, es sei vertretbar oder gar nötig, zugunsten von KI Opfer zu bringen. So äußerte der ehemalige Google-CEO Eric Schmidt, dass die globalen Klimaziele ohnehin nicht mehr erreicht werden könnten und legitimierte somit den weiteren Ausbau großer KI-Rechenzentren. Sollte man KI nun vollständig verteufeln? Jein, wenn man mich fragt.


Folgende Fragestellung sollte hier im Fokus stehen:

Gibt es einen ausschlaggebenden Mehrwert durch den Einsatz von KI und ist das Ergebnis maßgeblich besser als die händische Alternative? Wenn diese Frage nicht eindeutig mit Ja beantwortet werden kann, sollten wir ihren Einsatz kritisch hinterfragen.


KI im Design.

Gerade im Design bewerte ich die Entwicklung kritisch. Immer häufiger versucht KI nicht monotone Tätigkeiten, sondern kreative und konzeptionelle Arbeit zu ersetzen. Die Ergebnisse bleiben oberflächlich und austauschbar. Strategie, Typografie, Markenidentität, Informationsarchitektur oder psychologische Wirkmechanismen (um nur einige Bausteine zu nennen) entstehen nicht durch einen Prompt, so exakt er auch sein mag. Design ist nun mal kein Selbstzweck. Es löst Kommunikationsprobleme. Bei strategischen Fragestellungen, liefert die KI immer die gleichen Buzzwords: „Authentizität“, „moderne Bildsprache“, „klare Typografie“, „emotionale Ansprache“, „eine starke Markenidentität“. Alles korrekt, alles komplett austauschbar.


Gutes Design entsteht gerade dort, wo man diese Standards hinterfragt und eine induviduelle Lösung entwickelt. Es braucht den Mut, gegen die vermeintlich offensichtliche Lösung zu entscheiden. Genau dafür braucht es Erfahrung, Intuition, kulturelles Verständnis und vor allem den direkten Austausch mit Menschen.


Das Traurige ist: Je häufiger Unternehmen schlechte bis mittelmäßige KI-Ergebnisse tolerieren, desto stärker verschiebt sich unser Qualitätsverständnis. Was früher als unprofessionell gegolten hätte, wird heute als Ergebnis „moderner Arbeitsprozesse“ hingenommen. Man stelle sich vor, ein solcher Pfusch übertrage sich auf andere Bereiche wie die Pflege oder Sicherheitskonzepte.


Wo hat KI ihren Platz?

Durchaus ist KI in der Lage, Prozesse zu optimieren. Im Gesundheitssystem

unterstützt KI z.B. bereits heute RadiologInnen bei der Erkennung von Tumoren in MRT- oder CT-Aufnahmen, hilft bei der Priorisierung kritischer Notfälle in Notaufnahmen, übernimmt medizinische Dokumentation durch Spracherkennung oder unterstützt ÄrztInnen bei der Analyse großer Datenmengen für Diagnosen und Therapieentscheidungen. Das ist insbesondere im Kontext einer älter werdenden Gesellschaft und eines Gesundheitssystems, das unter der hohen Last bereits ächzt, besonders wichtig und sorgt für eine spürbare Entlastung des medizinischen Personals.

Der Nutzen ist unmittelbar messbar: Wartezeiten können sinken, Krankheiten früher erkannt und Therapieerfolge verbessert werden. Ärztinnen und Ärzte gewinnen mehr Zeit für das, was keine Maschine ersetzen kann – den direkten Kontakt zum Menschen.

Hier überwiegt der gesellschaftliche Nutzen die Kosten durch KI deutlich.


Im Design und in vielen anderen Branchen sehe ich dieses Verhältnis nicht. Hier steht nicht der gesellschaftliche Nutzen im Vordergrund, sondern vor allem die Optimierung von Kapital und Wirtschaftlichkeit – meist zulasten der Angestellten und der Qualität.


Hört auf, euer Hirn zu frittieren.

Aktuelle Forschungen weisen schon jetzt darauf hin, dass Menschen bei häufiger Nutzung von KI Aufgaben zunehmend an das System auslagern. Forschende sprechen von Cognitive Offloading. Dadurch verlernen wir kritisches Denken und setzen uns kaum noch gedanklich mit Informationen auseinander. Während wir beim klassischen „Googeln“ (ein Begriff der immer mehr an Bedeutung verliert) zumindest noch darauf angewiesen waren, uns Informationen selbst zu erlesen und zu erschließen, fragen wir heute unseren kleinen digitalen Taschenfreund, der auf jede Frage die passende Antwort parat hat und uns diese ganz bequem und auditiv ausgibt. Hinterfragen? Nicht nötig. Dabei zeigen Studien, dass KI-Modelle bei komplexen Faktenabfragen, Fachliteratur oder langen, mehrstufigen Gesprächen in etwa 5 % bis zu 80 % der Fälle halluzinieren und man sich somit nicht auf die Richtigkeit der Antworten verlassen kann. Die Gefahr besteht nicht darin, was KI denkt. Sondern darin, dass wir es immer seltener selbst tun.


Reglementierung?

Warum sollte jede alltägliche Aufgabe automatisch von einer ressourcenintensiven KI bearbeitet werden? Warum verzichten wir auf eigenes Denken, wenn der Mehrwert gering oder nicht vorhanden ist?


Und warum akzeptieren wir überhaupt, dass KI in ihrem Ursprung (insbesondere generative KI) mit Datensätzen trainiert wurde, die über Jahre hinweg geistiges und handwerkliches Eigentum von KünstlerInnen, IllustratorInnen, AutorInnen und FotografInnen ohne deren Zustimmung nutzten? Dafür, dass insbesondere die EU in den letzten Jahren den Datenschutz so stark forciert hat, genossen diese kreativen Personengruppen keinerlei Schutz vor dem Diebstahl ihrer Werke. Ich bin der Meinung, dass der Durchschnittsbürger keinen uneingeschränkten Zugriff auf KI-Tools benötigt und dieser Branchen und Gesellschaftsbereichen vorbehalten sein sollte, in denen der bereits erwähnte Mehrwertseffekt entsteht.


Fazit

Ich bin nicht gegen KI.

Ich bin gegen ihren unkritischen Einsatz.

Dort, wo sie Leben rettet, medizinisches Personal entlastet oder wissenschaftlichen Fortschritt beschleunigt, halte ich sie für unverzichtbar. Dort, wo sie vor allem Bequemlichkeit schafft, kreative Berufe verdrängt oder Ressourcen verbraucht, unsere Fähigkeit zum kritischen Denken eliminiert und dem oberen 1 % in die Taschen spielt, ohne einen echten gesellschaftlichen Mehrwert zu erzeugen, wünsche ich mir deutlich mehr Zurückhaltung und klare regulatorische Grenzen.


Fortschritt bedeutet nicht, technische Errungenschaften um des Nutzens willen zu nutzen. Fortschritt bedeutet Verantwortung zu übernehmen und bewusst zu entscheiden, wann eine Technologie unseren Aufwand, unsere Ressourcen und ihre gesellschaftlichen Folgen tatsächlich wert ist.


Ende


Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Slop#/media/Datei:Shrimp_Jesus_example.jpg An originally-generated example of the "Shrimp Jesus" AI imagery that appeared on Facebook in 2024. Generation prompt was: A person who looks like Jesus but who is made completely out of live shrimp, swimming underwater in the turquoise ocean, with a shrimp halo, and his hands dissolving into a shoal of shrimp.

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